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„Du musst Dich ändern. Ich bin nicht das Problem in unserer Beziehung. Ich kann mich ja immer noch ändern, wenn ich sehe, dass es sich lohnt.“ Wenn Du Dich anders verhalten würdest, dann könnte es wieder klappen mit uns.“
Ausgesprochen oder manchmal als stille Sehnsucht gedacht, stehen diese Sätze bei einem Beziehungskonflikt plötzlich im Raum. Der Druck von Aussen auf eine Paarbeziehung ist enorm gross: „wir müssen funktionieren, wir dürfen nicht versagen, wir müssen ein tolles Haus haben, jeder von uns einen sicheren Job, unsere Kinder sollten gut erzogen sein und keinerlei Probleme machen und wir sollen eine gut funktionierende Partnerschaft sein.“ Das ist ein enormer Anspruch, dem niemand auf die Dauer einer Ehe oder Partnerschaft ständig gerecht werden kann.
Meistens kommt das Paar allein nicht auf einen guten Weg des Streitens, denn „Streiten will gelernt sein“ sagt das Sprichwort richtig. Die Unterschiede von Mann und Frau im Umgang, im Verhalten und in der Sichtweise auf eine Situation wird es aber immer geben. Nicht alle Menschen sind den Herausforderungen des Lebens allein gewachsen. Dafür gibt es Hilfe. Die verschiedenen Beratungsstellen im Werdenberg und Sarganserland bieten unterschiedliche Unterstützung. Die Ehe- und Familienberatung hilft mit ihrer Arbeit z.B. den Menschen hier in der Region bei der Krisenbewältigung in einer Beziehung und unterstützt Paare wie Familien beim Gewinn von mehr Lebensqualität in ihrer Beziehung. In einer vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre gewinnen die Ratsuchenden Mut zu kleinen Veränderungen in ihrem Verhalten und im Verstehen. Diese Veränderungen in die Beziehung eingebracht und im Alltag zu Hause umgesetzt, lässt bereits ein anderes Klima in der Beziehung entstehen, wie das Ehepaar H. berichtet.
Herr und Frau H. – beide sind in der Lebensmittelbranche tätig – kommen heute zum 4. Gespräch in die Ehe- und Familienberatung, weil es mit der Kommunikation sehr schwierig und belastend für beide geworden war. Wie so oft zielt meine erste Frage auf mögliche wahrgenommene Veränderungen seit unserem letzten Termin. Frau H. nimmt die Frage gerne auf und antwortet überrascht, ja erfreut: „Irgendwie ist es in den vergangenen drei Wochen wieder besser mit uns geworden …“ - „Das klingt gut. Was haben Sie und Ihr Mann denn konkret anders gemacht?“, frage ich zurück. Frau H. denkt nach, zögert, schaut ihren Mann an und sagt achselzuckend: „ Ich weiss es nicht.“ -„Und was meinen Sie, Herr H., wenn Ihre Frau sagt: „Irgendwie ist es besser mit uns geworden?“ „ Das finde ich auch. Aber fragen Sie mich bitte nicht, woran das liegt.“ Herr und Frau H. schauen einander an. Dieses Mal lasse ich, die Beraterin, mich nach einer „Vielleicht-kommt-doch-noch-was-Pause“ entgegen des sonst gewohnten „genauen Nachfragens“ zu einer Antwort als Angebot hinreissen: „Darf ich vielleicht eine Antwort nach meinem Gefühl versuchen?“ Beide nicken erleichtert. „Ich glaube, es könnte etwas damit zu tun haben, dass Sie die Achtung voreinander wieder zurückgewonnen haben!“ Das Ehepaar H. schaut sich immer noch freundlich an, deutlich zugewandter als zu Beginn unserer Beratungsgespräche. „Wie hört sich das für Sie an?“, frage ich. „Das könnte so sein“, meint Frau H. Diesmal ist es Herr H., der nachfragt: „ Wie meinen Sie das mit der Achtung?“ So antworte ich: „Ich zumindest glaube fest daran, dass eine Beziehung nur gerettet werden kann, sprich, dass man sich nach einer durchaus kritischen Beziehungsphase nur wiederfinden kann, wenn man als Paar den Respekt voreinander, die Achtung vor dem Gegenüber, die Achtung gegenüber dem Partner / der Partnerin wieder zurückgewinnt. Diese Achtung geht manchmal in Krisen unbemerkt auf wundersame Weise verloren.“
Respekt bedeutet, einen geliebten Menschen mit seinen Grenzen und Begrenzungen, mit seinen Eigenarten, so anzunehmen, wie er eben ist, und nicht erst so, wie wir ihn haben wollen. Das ist und bleibt der SchlĂĽssel zur Partnerschaft mit dem Partner, mit der Partnerin, mit dem Ehemann, mit der Ehefrau, ja in der Beziehung mit jedem Kind und mit den Eltern.
„Ist das, was Sie am anderen stört und Sie mit so viel Beachtung in eine Beziehungskrise geführt hat, wirklich so wichtig für Sie?“, frage ich als Beraterin schon mal die hilfesuchen-den Paare. Mit der wiedergefunden Achtung und dem Respekt lautet dann die Antwort: „So wichtig ist das vielleicht doch nicht, ich könnte meine Aufmerksamkeit ja auch mal wieder verstärkt den Eigenschaften zuwenden, die ich an meinem Partner, an meiner Partnerin von Anfang an so liebenswert fand und diese dann auch dem anderen sagen.“
(Ehe- und Familienberatung Sargans-Werdenberg:
Dr. Beate Boes)
